InDesign und Barrierefreiheit sind bislang nicht die dicksten Freunde. Es braucht allerhand Workarounds und Erweiterungen, damit alles weitestgehend in InDesign umgesetzt werden kann und die aufwendige Nacharbeit in Acrobat wegfällt bzw. minimiert wird.
Ein wiederkehrendes Problem sind Bilder oder Grafiken, die über beide Seiten einer Doppelseite platziert sind, und sei es auch nur einen Bruchteil eines Millimeters. Das produziert einen Fehler bei der Überprüfung als »nicht getaggtes Bildobjekt«, denn das Bild existiert für das Prooftool zweimal: einmal auf der linken, einmal auf der rechten Seite – ist aber nur einmal getagged.
Einfachste Lösung: Bild zum Artefakt machen. Das ist aber nicht immer sinnvoll und oftmals auch nicht richtig im Sinne der Zugänglichkeit, sobald das Bild/die Grafik relevante Inhalte transportiert.
Nun könnte man das Bild in der Mitte zerteilen und beide Hälften jeweils dem Tag-Baum hinzufügen. Das funktioniert leider nicht, denn InDesign ist bei der Definition von »Bund« je nach Sichtweise entweder ziemlich genau oder ziemlich ungenau: Bilder, die von der Userin/dem User exakt am Bund platziert werden, sind damit für InDesign auch immer auf der anderen Seite. Dadurch wird bei diesem Ansatz weiterhin die Fehlermeldung produziert.
Andere Idee: (1) Das Bild duplizieren, (2) es sehr verkleinern, (3) hinter das Original-Bild legen, so dass es dadurch unsichtbar ist und dann (4) im Artikel-Baum das Original-Bild durch das Duplikat ersetzen.
Das kann man skripten.
Und so wird von diesem Bild…

…per Knopfdruck dann eine Kopie erstellt und dahinter gelegt.

Als Bonus wird das Bild auch im »Artikelbaum« ausgetauscht, falls es dort schon hinzugefügt war.
Und falls ein Bild nah am Bund ist, wird die kleine Kopie automatisch immer etwas vom Bund weg platziert, damit das weiter oben beschriebene Problem nicht auftritt:

Aktuell gibt es noch eine Einschränkung: Bei Objekten, die nicht rechteckig sind, funktioniert das Skript (derzeit) noch nicht richtig. Die Kontur des Bildes wird nicht richtig erkannt und darum die Kopie nicht vom Original verdeckt platziert.
Programmiert hat das für mich MATE, eine Erweiterung für InDesign, die KI-gestützt den entsprechenden Javascript-Code generiert. Der ist natürlich nicht so elegant wie menschlich erstellter. Als Fingerübung für mich war das aber genau richtig.
➡️ Wenn Du das Skript testen willst, stelle ich es Dir kostenlos zur Verfügung.
Schreib‘ einfach an indesign @ klute.io
Hier noch ein Video, das das Skript in Aktion zeigt:
P.S. Ob nun Skript, Script, skripten oder scripten. Schreibt, wie ihr meint.
👋 Wenn dieser Tipp für Dich hilfreich war, freue ich mich über einen virtuellen Dankeschön-Kaffee über
buymeacoffee.com/rainerklute
💬 Habe ich was übersehen, ungenau, verkürzt oder falsch beschrieben? Ich freue mich über Hinweise per Mail an
indesign ät klute.io
und aktualisiere dann den Text.